WikiLeaks – Die Rebellion im Internet

In den letzten Tagen las ich immer wieder Artikel die entweder pro oder contra Wikileaks eingestellt waren. Die Meisten handelten von den angeblichen Straftaten von Julian Assange (Es werden ihm Sexualverbrechen in Schweden vorgeworfen).

Wer von WikiLeaks bisher nichts mitbekommen hat, muss die letzten Tage vom Internet abgeschnitten gewesen sein. ;)

Dann las ich gestern einen Blogeintrag vom Twitteruser @tante und die darauf folgende Diskussion in der der Grundtenor war „fuck the war rhetoric“, die mich zu diesem Blogeintrag motivierte.

Wie alles begann

Begonnen hat alles mit einem Twitter-Eintrag:

„The first serious infowar is now engaged. The field of battle is WikiLeaks. You are the troops.“ #WikiLeaks

Lasst mich dazu bitte kurz ausholen und von vorne beginnen. Julian Assange war in Schweden und hatte mit 2 Frauen angeblich nicht einvernehmlich ungeschützten Sex. Die näheren Umstände sind mir unbekannt. Die meisten Onlineberichte sehen die Ereignisse mittlerweile so ähnlich wie ORF online.

Weil Schweden ein strenges Strafrecht hat, wurde ein Haftbefehl erlassen. Das ist die Kurzversion.

Dass Assange dann aber kurz nach den neuesten WikiLeaks Enthüllungen „zufällig“ zu einem der meistgesuchten Personen von Interpol wird, mutet sehr seltsam an, wenn man sich die restlichen Personen auf der Interpol Wanted Liste ansieht.

Weiters steht auf der Most Wanted Liste von Interpol zu den gesuchten Personen zu lesen:

„The person should be considered innocent until proven guilty.“

Schuldig, bis die Unschuld bewiesen, ist schon lange das neue Motto. Schnell haben sich dann auch VISA, Mastercard, Paypal und Amazon (dort war WikiLeaks ursprünglich gehosted) auf Wikileaks eingeschossen und die Geschäftsbeziehungen beendet. EveryDNS hat sowieso schon gleich am Anfang die Domain wikileaks.org gesperrt.

Teilweise mit vorauseilendem Gehorsam der Regierung gegenüber, teilweise aus Eigeninteresse. Visa und Mastercard ließen die US-Regierung in russische Gesetze lobbyieren, um zu verhindern, in Zukunft am russischen Markt benachteiligt zu werden.

So wird versucht, WikiLeaks finanziell auszutrocknen, allerdings vermutlich ohne Erfolg. Telepolis hat sehr gut beschrieben, warum das nicht funktionieren wird.

Der Vizepräsident von Paypal, Osama Bedier, verteidigte dazu gestern bei der Webkonferenz LeWeb  das Vorgehen wie folgt (bei Techcrunch nachlesen + Brief des Außenministeriums):

„Das Außenministerium hat gesagt WikiLeaks geht illegalen Aktivitäten nach, also haben wir den Account gesperrt. So läuft das.“

Merkt ihr den vorauseilenden Gehorsam? Ich habe mir zwar den Brief des US-Außenministeriums durchgelesen, dort wird erwähnt, das WikiLeaks gegen US-Gesetze verstößt, aber welche das sein sollen wird verschwiegen. Ein „Copyright“ auf Regierungsdaten gibt es in den USA ja nicht. Scheinbar ist noch gar nicht genau klar, wie WikiLeaks (und Assaange) angeklagt werden sollen.

Nach meinem Verständnis, kann etwas also nur dann als illegal angesehen werden, wenn ein Gericht dies entscheidet. Bis dahin, oder bis Polizeibehörden Aktivitäten unterbinden, sollte die Unschuldsvermutung gelten und dementsprechend auch nichts gesperrt werden.

Es begann eine Welle der Empörung und viele kündigten ihre Paypal-Accounts (ich habe meinen noch). Ein interessantes Zitat hierzu von Jeff Jarvis

„I can use Visa and Mastercard to pay for porn and support anti-abortion fanatics, Prop 8 homophobic bigots, and the Ku Klux Klan. But I can’t use them (Anm. Visa) or PayPal to support Wikileaks, transparency, the First Amendment, and true government reform.“

Die Internetgemeinde war in Aufruhr, und legte die Seiten von VISA und Mastercard per DDOS-Angriffen lahm. Interessant für mich war dabei, zu beobachten, wieviele Leute aus meinem Umfeld (ich nicht) daran teilnahmen die sonst mit derlei Aktivitäten nicht viel am Hut haben. Zu den Aktionen kann man stehen wie man will, aber sie zeigen doch sehr deutlich, dass es eine breite Masse gibt, die WikiLeaks gutheißt.

Indessen sprießen WikiLeaks-Mirror (Kopien von WikiLeaks) wie Schwammerl aus dem Boden. Auch ich habe, sobald sich der erste Ansturm legte, einen eigenen Wikileaks-Mirror wikileaks.ladstaetter.at auf der Domain meines Bruders Martin gehostet. (Nachtrag: Der Kurier berichtete darüber)

Ich tat dies, um mitzuhelfen, WikiLeaks am Leben zu erhalten und ich der Meinung bin, dass in den letzten Monaten und Jahren, schon zu viele Versuche von Regierungen getätigt wurden, Informationsbeschaffung einzudämmen. Erst kürzlich konnten Teile des sogenannte Anti-Terror-Gesetz in Österreich verhindert werden. Mehr dazu hier. Dann gibt es noch ACTA und unzählige andere nationale Gesetze, die alle darauf abzielen, kritik an den Machthabern zu erschweren und den gläsernen Menschen zu schaffen.

Dass dann einige aufbegehren und sich das nicht gefallen lassen wollen, ist nur allzu verständlich in Anbetracht der Informationen die WikiLeaks verbreitete. Vieles war zwar schon vorher in der Bevölkerung als „eh klar“ bekannt, aber von den Regierungen als Verschwörunug abgetan worden wie z.B. Berichte über die wahren Gründe der Kampfeinsätze im Irak und Afghanistan.

Warum ich ein Befürworter des „infowar“ geworden bin

Wenn ich dann in einem Blog lesen muss, dass die Kampfrhetorik überzogen ist und Vergleiche zum 2. Weltkrieg gezogen werden, stellt es mir die Nackenhaare auf.

Da wird dann vorgeschlagen, anhand positiver Beispiele zu zeigen, wie mehr Offenheit den Leuten hilft.

Ich möchte anmerken, aus meiner Lebenserfahrung und Arbeit im Behindertenbereich kenne ich diese Vorgänge sehr gut.

Ja, positive Beispiele sind zu bevorzugen. Wenn das nichts hilft, muss man Entscheidungsträger überzeugen für die Sache zu sprechen. Doch wenn das alles nichts hilft, ist es manchmal notwendig für klare Fronten zu sorgen.

Sei dies durch einen “infowar” oder von mir aus Info-Rebellion/Revolution.

Wer nicht mitbekommen hat, dass wir uns schon längst in einem Kampf um Meinungsfreiheit und persönliche Freiheit (ich sage nur ständige Überwachung im Internet und öffentlichen Raum) befinden, dem sei das Googlen der diversen Anti-Terror-Gesetze, die sehr weit auslegbar sind in den verschiedenen Ländern, ans Herz gelegt.

Zu schreiben „schauen wir, wie viele Opfer ihr Kriegstreiber verursacht“, halte ich für äußerst naiv, denn für die Phase des gut Zuredens ist es schon zu spät. Wer jetzt keinen Widerstand leistet, wird sich morgen auch nicht darüber aufregen dürfen, wenn die Regierungen weiterhin für ihre Machenschaften nicht zur Rechnung gebeten werden.

Ich sehe die jetzigen Vorgänge eher als Rebellion oder Revolution, die Opfer gibt es bereits, das sind wir alle.

Zwischen all dem steht nun Julian Assange, als Leitfigur von Wikileaks, der von den Einen am liebsten gejagt werden soll wie Osama bin Laden (also gar nicht) und von den Anderen zum Märtyrer hochstilisiert wird. Der Spiegel international hat das Problem schön zusammengefasst.

Ich sage dazu: Es geht nicht um Julian Assange! Er ist nur die Spitze von Wikileaks, die es benötigt,  um eine breite Öffentlichkeit hinter einer Idee zu versammeln.

In diesem Sinne:

„Geh leakts mich…“

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2 Responses to WikiLeaks – Die Rebellion im Internet

  1. Den Info-War im Internet beobachte ich schon seit Jahren (Contentindustrie User, Regierungen Bürger) und finde es toll, dass sie auch einen Wikileaks-Mirror betreiben. Das ist wie eine Kerze im Lichtermeer. Wir als Bürger haben die Macht, nur wir wissen es oft nicht mehr. Ich hoffe, unsere Elite hat genügend Geschichte gelernt, um die Revolutionen der Vergangenheit zu kennen. Dann wäre es vielleicht diesmal nicht notwendig, dass es soweit kommen muss um etwas zu ändern.

  2. Pingback: WikiLeaks – Die Rebellion im Internet | Markus Ladstätter privat | My Wikileaks

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